Jugendseminar 2006 im DZM Ulm

Jugendveranstaltung im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm
von Maria Jurca

Vom 10. bis zum 13. November 2006 fand im Ulmer Donauschwäbischen Zentralmuseum (DZM) die elfte Jugendveranstaltung "In weiter Ferne so nah - Südosteuropa gestern und heute" statt. Sie wurde von der Kulturreferentin für Südosteuropa, Dr. Swantje Volkmann, organisiert und unter Mitwirkung mehrerer Referenten gestaltet.

Den über sechzig teilnehmenden Jugendlichen aus Rumänien, Ungarn, Serbien, Kroatien und Deutschland wurden im Rahmen von Seminaren, Workshops und einer Exkursion entlang der Donau sowohl Kenntnisse über die Kultur und Geschichte der deutschsprachigen Kolonisten in Südosteuropa, als auch Informationen über die aktuelle Lage in den Siedlungsgebieten vermittelt.

Ein Wochenendseminar dieser Art gab es im Donauschwäbischen Zentralmuseum erstmals im November 2002. Dieses Jahr, wie auch im Oktober 2004 und im November 2005, befanden sich unter den jungen Gästen auch Schüler des "Diaconovici-Tietz" Lyzeums Reschitza. Hervorzuheben ist, dass die Zusammenarbeit zwischen dem DZM und dem "Diaconovici-Tietz" Lyzeum sich in den letzten Jahren als hervorragend erwiesen hat. Dank der Initiative der Leitung des Reschitzarer "Diaconovici-Tietz" Lyzeums und mit Hilfe von Lehrern und Schülern der deutschsprachigen Abteilung wurde die Jugendveranstaltung im Jahr 2005 zum ersten Mal in einer südosteuropäischer Region durchgeführt. Vom 29. September bis 3. Oktober 2005 wurde den Teilnehmern durch Workshops und interessante Studienausflüge ermöglicht, das Banater Bergland kennenzulernen.

   

Die diesjährige Jugendveranstaltung "In weiter Ferne so nah - Südosteuropa gestern und heute" begann mit Führungen durch die Innenstadt Ulm und durch das Donauschwäbische Zentralmuseum. Am Abend des 10. November 2006 wurde die Jugendveranstaltung in der Anwesendheit aller Gäste eröffnet. Nach dem Motto "Begegnung der Kulturen" lernten sich die Schüler aus den verschiedenen Ländern kennen. Auftakt war die Darstellung der einzelnen Gruppen, wobei einige Jugendliche Präsentationen ihrer Schule und ihrer Tätigkeiten und Interessen, andere kurze Sing- und Tanzvorstellungen vorbereitet hatten. Darauf folgte eine "musikalische Begrüßung" seitens der Gastgeber durch eine Band sowie einen Ulmer Schülerchor. Am Ende des ersten Veranstaltungstages nahmen die Gäste an einem Spiel teil, das ihre vorhandenen Kenntnisse über die Nachbarländer auffrischte bzw. ihnen neue vermittelte. Wichtig war, dass Gruppen gebildet wurden, die während der gesamten Veranstaltung in jener Zusammensetzung bleiben sollten, und zwar jeweils alle anwesenden Nationalitäten umfassend.

Der zweite Seminartag begann mit einem Spiel durch das Museum, während dessen die Teilnehmer bestimmte Aufgaben lösen mussten, indem sie die Dauerausstellung selbst erkundeten und bestimmten Objekten Aufmerksamkeit schenkten. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden die Gruppen auf parallel laufende Seminare verteilt, von denen manche interessante Überschriften trugen, zum Beispiel: "Rumänien - Mehr als Zigeuner, Straßenkinder und Dracula", "Ungarn - Mehr als Puszta, Piroschka und Paprika", "Serbien-Montenegro - Mehr als Cevapcici und Slivovic".

In den landeskundlichen Seminaren wurden Kenntnisse über Rumänien, Ungarn und Serbien-Montenegro vermittelt, die weit über die Klischees hinaus reichten, die den oben angeführten Titeln zu entnehmen sind. Die Schüler selbst trugen zur Vorstellung ihrer Heimatländer bei. Außerdem hatten sich die Referenten bei der Gestaltung der ihnen zugeteilten Räume um eine möglichst treffende bildliche Darstellung des jeweiligen Landes und um eine "kulinarische Ecke" bemüht. Weitere Essgewohnheiten der Deutschen im südöstlichen Europa lernte man im Backworkshop kennen. Die von den Jugendlichen selbst gebackenen Köstlichkeiten wurden in der Pause mit Begeisterung verzehrt. So beliebt wie das Backen war das Erlernen von Elementen des Volkstanzes aus Südosteuropa, vor allem des Csárdás, im Workshop "Tanzen ist grenzenlos".

   

Zu den interessantesten angebotenen Workshops zählten die kreativen. In einer von Werner Kremm moderierten Schreibwerkstatt hielten junge "Reporter" Eindrücke von der Veranstaltung fest, die für die Veröffentlichung in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien" bestimmt waren. In einer zweiten Schreibwerkstatt setzte man sich mit dem Begriff der "Fremde" auseinander.

Besonders anregend war das Workshop "Das Wandern ist ... Lust?". Man lernte zunächst Dokumente und Quellen aus dem 18. und dem 19. Jahrhundert kennen, welche Geschichten über die Auswanderer und ihre Reisen erzählen. Referenten trugen eine szenische Lesung zum Thema Auswanderung vor. Anschließend mussten die Schüler selbst überlegen, warum die Menschen damals nach Ungarn umsiedelten, welche Erwartungen sie hatten und was sie dort tatsächlich erwartet haben mag. Indem sie ihre Ideen zusammentrugen und in die Rolle der Auswanderer schlüpften, erfanden die Teilnehmer der acht Gruppen je ein Theaterstück.

Mit weiteren Fragen über die neuzeitlichen deutschen Auswanderer beschäftigten sich die Jugendlichen während einer Exkursion entlang der Donau: Wo sind die Donauschwaben abgefahren und wo legten die Schiffe ab? Welche Stellen in Ulm haben einen Bezug zu den Donauschwaben? Wie sah Ulm damals aus bzw. welche Gebäude haben die Auswanderer gesehen und welche Gebäude haben sich erhalten?

Am Ende des zweiten Seminartages stellten die einzelnen Gruppen ihre Theaterstücke vor. Noch heiterer wurde die Stimmung beim Abendessen mit Disco im Fort Albeck.

Am dritten Tag nahm man an den noch nicht besuchten Seminaren und Workshops teil. Die Veranstaltung wurde mit der Vorstellung der gelernten Tänze sowie der Ergebnisse der Schreibwerkstatt und der Verteilung der Teilnehmerurkunden abgeschlossen.

Zusammenfassend ermöglichte die Jugendveranstaltung der Kulturreferentin den Teilnehmern vielfältige Aspekte der Kultur und Geschichte deutschsprachiger Siedler in Südosteuropa spielerisch zu erlernen. Im Rahmen eines gut durchdachten, modernen museumspädagogischen Programms wurden die Jugendlichen zum Mitdenken und zur Kreativität angeregt. Bei den verschiedenen Workshops ging es lebhaft zu - und zwar ganz anders, als man es im Falle einer Museumsveranstaltung erwarten würde.

Im Folgenden werden Informationen über das Museum angeführt, in dem die vorgestellte Jugendveranstaltung stattfand. Sie wurden hauptsächlich einem Aufsatz des Museumsleiters, dem Museumsführer und der Internetseite des DZM entnommen (siehe Quellenverzeichnis).

   

Das Donauschwäbische Zentralmuseum Ulm (eröffnet im Jahr 2000)

Im September 1994 haben Vertreter der Stadt Ulm, des Landes Baden-Württemberg, des Bundes sowie der Landsmannschaften die Vereinbarung über die Errichtung des Donauschwäbischen Zentralmuseums unterzeichnet. Von 1995 bis 1999 wurde das Museumsgebäude, das Reduit der Oberen Donaubastion (um 1850 als Teil der Ulmer Bundesfestung errichtet, seit 1974 unter Denkmalschutz), für insgesamt elf Millionen Mark umgebaut. In dieser Zeit erarbeitete ein Aufbaustab die Museumskonzeption und sammelte Exponate für die Dauerausstellung.

Die Unterbringung des DZM in der ehemaligen Oberen Donaubastion hat sowohl einen symbolischen, als auch einen historischen Sinn. Erstens wurden die deutschen Auswanderer, denen Land, Hof und Steuerfreiheit im "Ungarnland" versprochen worden waren, in der Tat auf den so genannten Ulmer Schachteln nach Wien befördert. Zweitens wurde Baden-Württemberg als Standort für das DZM gewählt, weil jeder vierte Einwohner in diesem Bundesland entweder selbst Flüchtling, Vertriebener oder Spätaussiedler ist, oder aus einer Vertriebenenfamilie stammt; bis Anfang der 1950er Jahre kamen nämlich über eine Million Menschen aus dem Osten. Bereits im Jahr 1954 hat das Land Baden-Württemberg die Patenschaft über die Donauschwaben (diese "Sammelbezeichnung" wurde in den 1920er Jahren von Geografen des Deutschen Auslandsinstituts in Stuttgart geprägt) übernommen und hat deshalb ein besonderes Interesse an deren Kulturförderung.

Im Juli 1998 entstand die Stiftung Donauschwäbisches Zentralmuseum. Laut der Darstellung auf der Internetseite des DZM hat sie die Aufgabe, "auf der Grundlage des Paragraphen 96 des Bundesvertriebenengesetzes die kulturelle Tradition und das Kulturgut der Donauschwaben zu bewahren, indem sie Geschichte, Kultur und Landschaft umfassend dokumentiert, Kulturgut sammelt und präsentiert sowie der landes- und volkskundlichen Forschung über die donauschwäbischen Herkunftsgebiete zugänglich macht. Sie soll zugleich das Wissen über die südöstlichen Nachbarn verbreiten und vertiefen, um auf diese Weise einen Beitrag zur Verständigung in Europa zu leisten."

Auf 1.500 Quadratmetern zeigt das im Jahr 2000 eröffnete DZM die Dauerausstellung "Räume, Zeiten, Menschen" über die deutschsprachige Minderheit in der Vielvölkerregion Südosteuropa, von der planmäßigen Ansiedlung bis zu einem Blick auf Rumänien, Ungarn und die Nachfolgestaaten Jugoslawiens nach 1989, unter Berücksichtigung der Beziehungen der Deutschstämmigen zu den Anderssprachigen bzw. des Kulturaustausches (z. B. in den Bereichen der Architektur, der Essgewohnheiten, der Sprache). Die ständige Ausstellung entstand nicht nur aufgrund der Initiative des Landes und der Landsmannschaften, sondern vor allem dank der Privatspenden. Sie umfasst sowohl vielfältige historische Dokumente und traditionelle Objekte der Alltagskultur, als auch interessante Ton- und Bildpräsentationen deutschsprachiger Siedlungen sowie der Lebenswelt ihrer Bewohner, deren Ahnen nicht nur aus Südwestdeutschland und der Grenzregion zu Frankreich, sondern auch aus österreichischen Gebieten stammten. Unter den berücksichtigten südosteuropäischen Gebieten nimmt das industrialisierte Banater Bergland eine Sonderstellung ein und wird deshalb nur in wenigen Zügen dargestellt.

Die Erweiterung der Besucher-Zielgruppen wird durch Sonderausstellungen erreicht. Zu den interessantesten Ausstellungen, die im DZM gezeigt wurden, zählen folgende: "Johnny Weismüller", "Steingewordener Glaube. Kirchliche Architektur im Banat im 18. Jahrhundert", "Hausgeschichten. Deutsche Spuren in den Donauländern". Über aktuelle Ausstellungen und die Termine anderer Veranstaltungen wie Seminare, Podiumsgespräche, Tagungen und öffentliche Führungen sowie weihnachtliche Bastelnachmittage informiert die Internetseite www.dzm-museum.de.

Quellenverzeichnis:

Glass, Christian: Ein Glas mit Heimaterde. Konzeption und Praxisbericht eines neuen "ostdeutschen" Museums. In: Fachgruppe Stadt- und Heimatgeschichtliche Museen im Deutschen Museumsbund (Hg.), Die Heimat als Welt - Die Welt als Heimat. Frankfurt am Main 2001, S. 77-84.

Informationsbroschüre über die Jugendveranstaltung der Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum: "In weiter Ferne so nah - Südosteuropa gestern und heute" (anlässlich der 11. Jugendveranstaltung im Jahr 2006).

Stiftung Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm (Hg.): Räume, Zeiten, Menschen. Führer durch das Donauschwäbische Zentralmuseum. Ulm 2000.

Stiftung Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm (Hg.): Jahresbericht 2001 der Stiftung Donauschwäbisches Zentralmuseum. (Anlagen: Pressestimmen 2001, 2002). Ulm 2002. www.dzm-museum.de